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Wer die Wahl hat … kann sich Vorteile sichern!

Durch Unabhängigkeit und den Blick fürs große Ganze auf Erfolgskurs

| Ralf Günther | ECM-Ratgeber

Die Kunst des klugen Auswählens kann insbesondere im Bereich der Healthcare-IT erhebliche Wettbewerbsvorteile bieten. Schaut man sich den Prozess der Gesundheitsversorgung an, so sind hier verschiedenste Experten und Spezialsysteme notwendig, um den Patienten bestmöglich zu behandeln. Gleichzeitig muss ein Auge auf die wirtschaftlich effiziente Unternehmensführung gerichtet sein. Dem Management einer Gesundheitseinrichtung muss es also irgendwie gelingen, die einzelnen Fachgebiete mit der richtigen IT-Lösung zu unterstützen und darauf aufbauend die Unternehmensprozesse ganzheitlich zu steuern. Eine Herausforderung für die es auf der IT-Anbieterseite zwei Lösungsansätze gibt.

Versuch einer All-in-one-Lösung

Einige Anbieter von Softwarelösungen sammeln in ihrem Portfolio eine breite Palette von Anwendungen, die alle Anforderungen abdecken und die Integration von Anwendungen anderer Anbieter obsolet machen soll. Als Vorteile werden der Wegfall von Schnittstellen sowie die einheitliche Datenhaltung, Benutzeroberfläche und Servicequalität angeführt. Doch die Realität sieht meist anders aus. In den einzelnen Fachbereichen hemmt die begrenzte funktionale Tiefe der All-in-One-Lösung die Optimierung der Versorgung. Vor allem hat aber die wirtschaftliche und technologische Abhängigkeit von einem Anbieter die Folge, dass Lizenz-, Dienstleistungs- und Pflegekosten beliebig bestimmt werden könnten, da kein Wettbewerb mehr zugelassen wird. Der Kunde wird in seinem Handlungsspielraum deutlich eingeschränkt und in der Strategie- und Innovationsentwicklung begrenzt.

Unabhängigkeit bewahren mit Best-of-bread-Lösung

Einem Wirtschaftsunternehmen wird geraten, nicht nur von einem Kunden abhängig zu sein und die Einnahmen zu verteilen. Diesem Ansatz folgend, bieten viele spezialisierte Unternehmen Anwendungen, die sich durchaus einfach in die klinischen oder administrativen Prozesse einbinden lassen. So können die jeweils besten Lösungen für ein Fachgebiet oder einen Prozess ausgewählt und zu einer integrierten Gesamtlösung kombiniert werden. Getreu der Annahme „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ lässt sich damit die Wettbewerbsfähigkeit einer Gesundheitseinrichtung ohne die Abhängigkeit von einem Hersteller sicherstellen. Doch dabei gilt es auch einiges zu beachten.

Grafik Integrationsplattform
DMS oder ECM als Integrationsplattform

Damit aus den einzelnen Speziallösungen ein großes Ganzes werden kann, bedarf es einer Integrationsplattform, die proprietäre Schnittstellen, Redundanzen in der Datenhaltung und Systembrüche für den Benutzer vermeidet. Dafür bieten sich Dokumentenmanagement- und Archivlösungen (DMAS) sowie Enterprise Content Management (ECM) Systeme an. Sie fungieren als zentrale Informationsdrehscheibe, die über Standardschnittstellen die Daten der klinischen und administrativen Fachanwendungen und die Daten der Hauptinformationssysteme (KIS und ERP) zusammenführt. Diese werden hersteller- und plattformunabhängig archiviert und den Mitarbeitern und Prozessen kontextsensitiv zur Verfügung gestellt. Durch den Einsatz von Kommunikationsstandards wie HL7, DICOM, IHE-XDS oder EFA 2.0 bewahrt sich ein Krankenhaus seine Unabhängigkeit und kann die IT-Strategie flexibel entsprechend seiner Bedürfnisse entwickeln.

Die Gesamtprozesse im Blick haben

Neben der Anbieter-Unabhängigkeit ist für den langfristigen Erfolg auch der ganzheitliche Blick auf die Unternehmensprozesse entscheidend. In Projekten erleben wir es oft, dass zunächst nur ein einzelnes Problem mit Hilfe einer IT-Lösung angegangen werden soll. So sollen z.B. die Patientenakten digitalisiert und vernichtet werden, weil die Archivräume überfüllt sind. Dabei wird häufig nicht beachtet, dass dieses Problem nur ein Aspekt in einer großen Prozesskette ist. Die elektronische Verfügbarkeit der Patientenakten hat Auswirkungen auf viele Folgeprozesse, wie die Vermeidung von Doppeluntersuchungen oder die Bearbeitung von MDK-Anfragen. Und auch auf dem Weg zur Digitalisierung gibt es einige Prozessschritte, die - clever organisiert - viel Potenzial für Optimierungen bieten. Um die Möglichkeiten der IT-Unterstützung voll auszuschöpfen, ist es daher immer empfehlenswert, gleich von Beginn an den Gesamtprozess im Blick zu haben. Auch wenn zunächst nur Lieferscheine archiviert werden sollen, können zu diesem Zeitpunkt schon die Grundlagen geschaffen werden für eine spätere vollständig digitale und automatisierte Rechnungsbearbeitung.

Software-Anwendungen sind heute der Motor von gut funktionierenden Unternehmen. Also schauen Sie sich Ihre Gesamtprozesse an und prüfen Sie genau, welche Anwendungen Ihren medizinischen und administrativen Produktionsprozess tatsächlich unterstützen und wo noch Verbesserungspotenziale schlummern. Definieren Sie Ihre Ziele mit dem Blick für das große Ganze und leiten Sie daraus Ihre einzelnen Schritte ab. So sichern Sie sich langfristig Wettbewerbsvorteile.

Über den Autor

Ralf Günther

Ralf Günther ist Gründer des ECM-Lösungsanbieters NEXUS / MARABU GmbH und Experte für die strategische Planung von dokumentenbasierten Prozessmanagementsystemen in Gesundheitseinrichtungen. Im März 2019 ist er aus der Geschäftsführung ausgeschieden.

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