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Prädiktive Medizin

| Miriam Mirza | Aus der Branche

Prädiktive Medizin

Die heutige Medizin wird immer besser und dabei hat die Digitalisierung einen großen Anteil. Neue Technologien bieten verschiedene Möglichkeiten große Mengen an Daten zu sammeln, stellen die an der Gesundheitsversorgung beteiligten Personen jedoch auch vor neue Herausforderungen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn es um die Auswertung der gewonnenen Informationen geht. Hierfür gilt es, technische Lösungen zu finden und geeignete Arbeitsprozesse zu etablieren. Dies passiert mit dem Ziel, eine Medizin anzubieten, die immer mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten eingeht und in der Lage sein soll, Krankheiten vor deren Entstehen zu verhindern. Diese Art der Medizin nennt man prädiktive Medizin.

Krankheiten verhindern und Komplikationen vermeiden

Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien schaffen die Grundvoraussetzungen für die prädiktive Medizin, beispielsweise, wenn etwa Algorithmen genutzt werden, um besonders gefährdete Patienten zu identifizieren. Das geschieht über die Detektion von sowohl genetischen Faktoren als auch Umwelteinflüssen, die zum Entstehen von Krankheiten beitragen. Durch die zielgerichtete Analyse von großen Datensätzen können diese erkannt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sind für viele Fachbereiche interessant: von der Onkologie, über die Kardiologie bis hin zur Diabetologie.

Die Patientenversorgung kann mittels prädiktiver Medizin deutlich verbessert werden. Sie hilft, die Prävention zu stärken und die Entwicklung neuer, moderner Versorgungsformen voranzutreiben. Dazu sind allerdings große Datenmengen notwendig. Deren Auswertung ist nur mithilfe moderner IT-Technik möglich. Ziel ist es, Muster zu erkennen, auf deren Basis beispielsweise eine stärkere Subklassifizierung von Diabetikern oder auch von Prädiabetikern erfolgt. Für die Betroffenen könnten in der Folge individualisierte Therapie- und Präventionsansätze erarbeitet werden.

Ein weiteres Ziel der prädiktiven Medizin ist es, Komplikationen, die bei einzelnen Krankheiten auftreten, zu vermeiden. Dazu müssen besonders solche Patienten betrachtet werden, die ebenjene Komplikationen nicht entwickeln. Durch die Auswertung von Gesundheitsdaten könnten Forscher herausfinden, woran das liegt und daraus Schlüsse für eine bessere Behandlung anderer Patienten ziehen. Doch dazu sind große Datenmengen nötig, und zwar nicht nur solche von Betroffenen oder Personen, die kurz davor sind, an einer Krankheit zu erkranken, sondern auch von ganz gesunden Menschen.

Mutationsträger frühzeitig erkennen

Gerade in der Onkologie versprechen sich Experten von der prädiktiven Medizin besonders viel. Bei einigen vererbten Erkrankungen, insbesondere bei Tumorsyndromen, kann die prädiktive Diagnostik großen Einfluss auf künftige Therapieentscheidungen nehmen. So können etwa durch Gensequenzierungen Mutationsträger mit einem hohen Karzinomrisiko herausgefiltert werden. Das gibt Medizinern die Möglichkeit, betroffene Familien in gezielte Vorsorgeprogramme aufzunehmen.

Auch bei der Entwicklung von Arzneimitteln setzen Forscher auf prädiktive Methoden und nutzen computergestützte Vorhersagen. Weil jedes Medikament von Patienten zu Patient unterschiedlich wirkt, ist es für die Arzneimittelentwickler von großem Interesse, möglichst genau dessen Wirkung voraussagen zu können. Die Computertechnik hat dafür eine Lösung: Durch die Simulation am virtuellen Patienten werden neue Wirkstoffe getestet. Dadurch lässt sich in etwa voraussagen, wie sich die Arzneimittel wohl im menschlichen Körper verteilen und verstoffwechselt werden. Auf diese Weise kann die Arzneimittelentwicklung viel effektiver arbeiten.

Die prädiktive Medizin steckt noch in ihren Anfängen, aber sie hat großes Potenzial, einen entscheidenden Beitrag für eine verbesserte Patientenversorgung zu leisten. Sie legt nämlich den Grundstein für eine neue Art der Medizin, die sich weg von der reinen Behandlung von Krankheiten und immer mehr hin zu einer Präventivmedizin entwickelt.

Über den Autor

Miriam Mirza

Die Journalistin Miriam Mirza hat Germanistik und Anglistik studiert und arbeitet als Fachredakteurin für das Magazin E-HEALTH-COM.

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