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Digitale Spracherkennung – aufs Wort gehört

| Miriam Mirza | Aus der Branche

Digitale Spracherkennung

Im Krankenhausalltag wird der Dokumentationsaufwand immer größer.
Eine gute Hilfe beim effizienten Umgang mit den immer größer werdenden Datenmengen ist die integrierte, digitale Spracherkennung.

Kabelgebunden oder online?

Bei der integrierten Spracherkennung gibt es vielfältige Lösungen: So sind immer noch viele kabelgebundene Anwendungen vorhanden, bei denen die Diktate elektronisch aufgezeichnet und im Anschluss an ein zentralisiertes Schreibbüro weitergegeben werden, wo sie dann transkribiert werden. Diese Art der Bearbeitung hat in Krankenhäusern immer noch viele Anhänger. Doch es gibt immer mehr Häuser, die auf Online-Lösungen setzen. Der Vorteil: Der Arzt kann das Diktat sofort sehen und selbst bearbeiten oder korrigieren. In den Kliniken werden jedoch mobile Anwendungen immer wichtiger und dieser Trend setzt sich auch bei der Spracherkennung fort. Hier gibt es für Ärzte die Möglichkeit, ihre Diktate zunächst mit mobilen Geräten zu erfassen um sie anschließend über das klinikeigene LAN beziehungsweise WLAN an einen Server zu senden. Auf diesem Server läuft eine Offline-Spracherkennung, die dann die Audiodateien in Textdateien umwandelt. Die notwendigen Korrekturen übernimmt dann entweder ein Schreibbüro oder der Arzt selbst.

Größte Einsparungen bei hohem Dokumentationsaufwand

Innerhalb der einzelnen Krankenhausabteilungen lassen sich große Unterschiede in der Nutzung der Spracherkennung feststellen. So ist diese in der Radiologie bereits sehr verbreitet. 70 bis 80 Prozent der deutschen Krankenhäuser nutzen diese Systeme. Der Grund hierfür liegt in der Erkennungsgenauigkeit, die sich in den letzten Jahren extrem verbessert hat. In den letzten Jahren sind die Lösungen so gut geworden, dass der Einsatz auch in anderen Abteilungen zu einer wirklichen Effizienzsteigerung führt. Gerade die Bereiche, die viel dokumentieren, können ihren Dokumentationsablauf mit dem Einsatz von Spracherkennung wesentlich beschleunigen und damit nicht nur Zeit, sondern auch Geld sparen.

KIS-Integration in Abhängigkeit vom Arbeitsprozess

Immer mehr Verantwortliche in den Krankenhäusern sehen das ebenso. Zumal die technischen Voraussetzungen für eine Integration der verschiedenen Sprachsysteme in die Krankenhausinformationssysteme gegeben sind. Viele Spracherkennungssysteme liefern Schnittstellen zu den meisten Krankenhausinformationssystemen. Eine wichtige Komponente ist auch die gewünschte Diktiermethode und der Arbeitsprozess innerhalb des Krankenhausbetriebs. Bei einem einstufigen Workflow, d.h. der Arzt erstellt seine Dokumente durch Umwandlung von gesprochenem Wort zum Text direkt und lokal am Bildschirm ohne Rücklauf von Sekretariat oder Schreibkraft. Hier ist keine weitere Anpassung des Informationssystems notwendig. Denn in diesem Fall setzt der Arzt irgendwo in eine Anwendung den Cursor, macht das Mikrofon an und diktiert los. Zweistufige Arbeitsprozesse sind schon komplexer und erfordern andere technische Voraussetzungen. Denn hier läuft eine Korrekturschleife durch das Sekretariat. Die Schreibkraft erhält ein vom Arzt erstelltes, unkorrigiertes Dokument. Dazu ist eine Schnittstelle notwendig, um den erkannten Text mit den Patientendaten zu verknüpfen, ihn zuzuordnen und an das Schreibbüro weiterzuleiten.

Am wichtigsten für den Einsatz der Spracherkennung sind jedoch die Nutzer – die Ärzte. Die Anwendungen müssen sich in ihren Arbeitsalltag integrieren. Und der erfordert immer öfter mobile Lösungen. In den Kliniken finden sich immer mehr Tablets und Smartphones, da sie Zugriff auf Informationen in Echtzeit ermöglichen. Die Hersteller haben darauf reagiert und viele bieten daher die Möglichkeit, die Spracherkennung entweder innerhalb dieser Applikationen zu integrieren oder sie in Form einer App zur direkten Befundung durch Sprache einzusetzen. Somit steht Ärzten und anderem medizinischen Personal völlig frei, wo sie sich um die Dokumentation kümmern: direkt neben dem Patienten während der Diagnose, auf dem Weg vom Operationssaal zum Wartezimmer, auf ihrem Tablet, iPhone oder auch – wie früher – vor dem Desktop PC. Das erleichtert den Ärzten nicht nur die Arbeitseinteilung. Es bedeutet auch, dass die Befunde aktueller sind als in der Vergangenheit. Sie werden zeitnah erstellt, und stehen den anderen Ärzten im Krankenhaus sofort zur Verfügung. Davon profitiert natürlich nicht nur der Arzt, sondern letztendlich auch der Patient, denn er kann sich darauf verlassen, dass seine Patientenakte immer auf dem neusten Stand seiner Behandlungsdaten beruht und jedem berechtigten Arzt im Krankenhaus sofort zugänglich ist.

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Über den Autor

Miriam Mirza

Die Journalistin Miriam Mirza hat Germanistik und Anglistik studiert und arbeitet als Fachredakteurin für das Magazin E-HEALTH-COM.

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